Das "Tal der Ahnungslosen" - Mediennutzung gestern und heute
Das Tal der Ahnungslosen

Das "Tal der Ahnungslosen" - Mediennutzung gestern und heute

Ein Kommentar von Bernd Schmidt

Datum: 26.01.2020

 

Wollte man sich vor 1990 in der abgeschotteten DDR informieren, sah man meist politische Sendungen im West- und im Ostfernsehen. Man kannte die jeweiligen Standpunkte und konnte sich bei Herausfilterung der jeweiligen Propagandaanteile beider Seiten ein ganz gutes Gesamtbild erzeugen, man fühlte sich informiert.

 

In der DDR gab es Gebiete, in denen Westfernsehempfang nicht möglich war. Die betroffenen Menschen konnten sich meist nur einseitig durch die Medien der DDR informieren. Die Zeitungen und Zeitschriften enthielten nicht nur gleichartige sondern auch gleichlautende politische Berichte. Von "Oben" vorgegebene Texte wurden noch im letzten Kreisblatt der DDR gleichlautend veröffentlicht. Eine Zumutung an den Intellekt jedes Menschen. Die so Informierten lebten, so der Volksmund, im "Tal der Ahnungslosen". Sie waren einseitig informiert.

 

Den dafür Verantwortlichen der DDR fiel der Schwachsinn, den sie verzapften gar nicht auf. Wer Widersprüche als etwas Negatives sieht und diese unterdrückt, der unterdrückt Entwicklung; also Fortschritt. Durch die Auflösung von Widersprüchen entsteht Erkenntnisgewinn. Der durch die Unterdrückung einer Gegenmeinung erzeugte Stillstand führte zu Lethargie, Zerfall und schliesslich zum verdienten Kollaps.   1990 wurde der friedliche Übergang des kollabierenden Systems der DDR in die BRD vollzogen.

 

In kürzester Zeit wurde die Medienlandschaft der DDR umgestaltet und leider fast ausschließlich an die Mediengroßkonzerne und in die öffentlich-rechtlichen Anstalten überführt. Eine große Chance zur Erhöhung der Medienvielfalt in der Bundesrepublik wurde damit vergeben.

 

Fortan entfiel die Alternative. Die völlig andere Meinung fehlte. Verstärkt wurde der Mangeleffekt noch dadurch, dass die Hauptmedien( Main-Stream-Medien) der Bundesrepublik zu wesentlichen politischen Ereignissen immer stärker nahezu identische Ansichten vertraten. Seit dem völkerrechtswidrigem Kosovokrieg wurde das besonders deutlich. Ich fühlte mich erstmals wieder im "Tal der Ahnungslosen". Es folgten mediale Negativerlebnisse bei den Irakkriegen, beim Afghanistankrieg, beim Libyenkrieg, beim Syrienkrieg, beim Krieg in der Ukraine , beim Thema Waffenproduktion in Deutschland und Waffenexporte, beim Thema deutsches militärisches Engagement in der Welt, beim Thema Nato, beim Thema Russland und USA usw.

 

Gibt es keine anderen Meinungen? Einseitige Berichterstattung (der gut, der böse), Überbetonung eines Sachverhaltes, Verschweigen von Sachverhalten und verbreiten von Lügen und Halbwahrheiten gehören zum alltäglichen Geschäft der Main-Stream-Medien. Dabei hat man nicht die Nachricht, sondern den gewünschten (Beeinflussungs) Effekt vordergründig im Auge. Alles was meiner vorgefertigten Meinung dient wird gebracht, ggf. überbetont und ständig wiederholt; alles was dieser widerspricht wird unterdrückt oder wenn das nicht möglich dann ganz klein gehalten.

 

Glücklicherweise gibt es seit einigen Jahren im Internet Informationsplattformen, die unterschiedliche Sichten auf die Sachverhalte haben. Für mich sind diese die notwendige Ergänzung zum früheren "Ostfernsehen".

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Meine Top 10 der alternativen Medien 2019

 

7 Jahre Medienkonsum, vornehmlich im Internet, ergab die alternativen Medien betreffend, ein positives Ergebnis. Hier meine Top 10 für das Jahr 2019:

 

  1. kenfm

  2. NachDenkSeiten

  3. Nuoviso

  4. Rubikon

  5. Anti-Spiegel

  6. Sputnik

  7. rt deutsch

  8. Jung & Naiv

  9. Weltnetz-TV

10. Wikihausen

 

--**kenfm** ist qualitativ und inhaltlich das beste Internetportal im deutschsprachigen Raum. Interessante Formate wie

  ..Positionen – Politik verstehen

  ..Me, Myself & Media (MMM)

  ..KenFM im Gespräch

  ..KenFM am Telefon“ „ZUR SACHE

  ..M-PATHIE

  ..The Wolff of Wall Street u.v.m.

sind absolut empfehlenswert.

 

--Die **NachDenkSeiten** agieren tagaktuell. Übersichten zu Veröffentlichungen mit entsprechenden Links und Kommentare zu Meldungen sind wertvoll. Besonders hervorzuheben sind die Analysen von Alfred Müller.

 

--**nuovisio** bietet vornehmlich interessante, hochwertige Videos. Besonders interessant sind die Diskussionsrunden und Interviews.

 

--**Rubikon** liefert vornehmlich hochwertige Berichte und Analysen in Schriftform, aber auch interessante Videos.

 

--**Anti-Spiegel**

Hochwertige, Fundierte Medienkritik von Thomas Röper. Außerdem schreibt der Autor in der Rubrik „Analysen/Meinungen“ eigene Analysen und Kommentare zu Themen aus Politik und Wirtschaft.

 

--**sputnik** ist deshalb so wertvoll, weil es die russische Sicht auf die aktuelle Politik darstellt. Sputnik ist der Name einer weltweit tätigen russischen Nachrichtenagentur, die zugleich Nachrichtenportale und Radiosender betreibt. Sputnik wurde 2014 vom staatlichen russischen Medienunternehmen Rossija Sewodnja als nach Russia Today zweites russisches Nachrichtenmedium gegründet.

 

--**rt deutsch** ist deshalb so wertvoll, weil es die russische Sicht auf die aktuelle Politik darstellt. Wie früher in der DDR war es wichtig sowohl die westdeutsche Seite als auch die ostdeutsche Seite zu betrachten. Seine eigene Meinung kann sich jeder Mediennutzer dann selber bilden.

 

--**Jung & Naiv** Jung & Naiv bietet Interviews mit politischen Akteuren, Analysen und mehr in Videoform. Die Bundespressekonferenzen werden so einem breiten Publikum bekanntgemacht.

 

--**Weltnetz-TV** Seit dem Start Mitte Juni 2010 ist weltnetz.tv eine unabhängige Plattform für Videojournalismus. Themenschwerpunkte: soziale Probleme, Krieg und Frieden, Abrüstung jeweils als alternative Sicht. Bild- und Tonqualität sind verbesserungswürdig.

 

--**Geschichten aus Wikihausen** Groteske und postfaktische Inhalte aus der Wikipedia. Das Portal zeigt auf, das in WIKIPEDIA bei politischen Themen und politsch aktiven Personen massiv manipuliert wird. Einige dieser Manipulatoren werden enttarnt.

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Fazit:

War früher in der DDR der Wohnort der Hauptverantwortliche für die „Ahnungslosigkeit“, ist es heute allein der Mediennutzer durch seine Mediennutzungsgewohnheiten.

 

Mit den Main-Stream-Medien und den alternativen Medien im Internet verfügt der politisch interessierte Bürger in Deutschland über mehr Möglichkeiten, als sie damals das Ost- und das Westfernsehen je boten. Es kommt darauf an, diese Möglichkeiten zu nutzen. Mit dem Thema Medienkompetenz sollte man sich beschäftigt haben. Hinweise dazu finden sie unter

https://www.spreenemo.de/it-themen/medienkompetenz/

 

Viel Erfolg beim Erkenntnisgewinn.

 

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spreenemo@gmail.com

 

Spruch des Monats (06/2020)

"Ein Spaziergang am frühen Morgen ist ein Segen für den ganzen Tag." 

 © Henry David Thoreau

(*1817 – †1862), US-amer. Philosoph, Naturalist, Schriftsteller und Mystiker

Bild des Monats (06/2020)

Schloß Lübbenau im Spreewald
Schloß Lübbenau im Spreewald

Das Schloss Lübbenau (1817–1839) ist ein klassizistisches Bauwerk in Lübbenau/Spreewald im Spreewald. 

 

An der Stelle des heutigen Bauwerks befand sich eine mittelalterliche Wasserburg. Etwa um 1600 erfolgte dann ein Umbau zum Schloss im Stil der Renaissance. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Anlage im Wesentlichen in den Jahren 1817 bis 1820 von Carl August Benjamin Siegel. Die beiden Türme an der Rückfront des Schlosses wurden aber erst 1839 von Homann angebaut. Die umgebende neun Hektar große Parkanlage im englischen Landschaftsstil entstand ab 1820. Die Pläne gehen auf Peter Joseph Lenné zurück.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_L%C3%BCbbenau

Musik-Link des Monats (06/2020)

https://youtu.be/zqHdzatTBhA

Mark Knopfler - The Long Road